Natürlich kann man darüber diskutieren, ob Violett eine angenehme Farbe ist oder die Kombination von Violett und Grün wirklich ansprechend. Doch wie auch immer man das Design von Odoo bewertet, jeder, der einmal damit gearbeitet oder es gesehen hat, bemerkt, wie intuitiv sich das System präsentiert und wie schnell man sich darin zurechtfindet.

Was ist die Ursache für diese Intuitivität?

Odoo ist ein ERP System. ERP Systeme sollen komplexe Prozesse zu Planungs- und Analysezwecken abbilden. Komplexität und Intuitivität stehen im Grunde im gleichen konträren Verhältnis wie Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Wer beginnt, sich damit zu befassen, merkt sehr bald, dass auch Odoo an diesem Fakt nicht viel ändern kann. Denn der Teufel steckt im Detail und in Odoo gibt es einige Felder und Zusammenhänge dazwischen, von denen man wissen muss. Vergleicht man es jedoch mit vielen anderen Systemen, wurde hier wirklich konsequent auf ein Minimum an Feldern und Funktionen geachtet. Und genau dieses Minimum lässt Odoo dann doch wieder übersichtlich und kontrollierbar erscheinen und bewahrt den Eindruck eines einfachen und intuitiven Systems.

Was ist der Schlüssel für den Minimalismus?

An einem Punkt unterscheidet sich Odoo als ERP System noch gravierend von seinen Pendants, ganz besonders den Klassikern.

Nimmt man die Realität, so präsentiert sich immer irgendwo ein Vorgang, der in seiner Art vom Benutzer klassifiziert wird und dann an der entsprechenden Stelle angelegt oder bearbeitet wird. Die Art kann eine Bestellung oder ein Verkaufsauftrag, eine Lieferung, Rechnung, Anfrage, Beschwerde, Retoure, etc. sein. Zu diesem Vorgang wird kommuniziert, und auf der Basis dieser Kommunikation ändert sich der Vorgang inhaltlich oder bezogen auf seinen Status. Formuliert man es vielleicht sogar etwas überspitzt, dann dreht sich alles hauptsächlich um Kommunikation. Das System hat die Verantwortung, diese strukturiert darzustellen, so dass sich ein Fortschritt messen bzw. gewährleisten lässt und unterschiedliche Personen den Stand nachvollziehen und daran arbeiten können.

Und da dies direkt aus Odoo heraus geschieht, bilden Vorgang, Kommunikation und Versionierung eine chronologische Einheit.

Dies hat einen weiteren Vorteil, der die Frage zur Intuitivät beantwortet. Denn die Kommunikation beinhaltet meist viel mehr Informationen, als ein System tatsächlich erfassen kann. Und da diese direkt mit dem Vorgang verbunden sind, eine Einheit bilden und damit sofort einsehbar sind, ist es für Odoo nicht notwendig, alle möglichen weiteren Informationen daraus als Teil der Transaktion zu erfassen, und kann sie auf ein Minimum beschränken.

Hier ist ein praktisches Beispiel aus dem wahren Leben zusammengefasst, zum Thema: Freigaben / Beauftragung / Korrekturen:

Was sieht man hier:

  1. Wann wurde der Beleg generiert und von wem → Zwei Informationen, die nicht separat in einer Maske als separate Felder angezeigt werden müssen, da sie aus der Versionierung hervorgehen
  2. wer wurde wann von wem um die Prüfung gebeten? → auch dies muss nicht in Feldern festgehalten werden
  3. Wer hat geprüft, wann hat die Person geprüft, was wurde geprüft und wie war das Feedback → das „was wurde geprüft“ ist sicherlich so oder so nicht ohne eine Kommunikation zu erfassen; in klassischen Systemen gibt es einen Status und dieser wäre dann pauschal für den Vorgang
  4. Wann wurde darauf der Belegstatus geändert und von wem

Und dieses Beispiel zeigt exemplarisch nur eine interne Kommunikation, denkbar ist natürlich ebenso eine externe als Teil des Vorganges.

Abgesehen davon, dass das Beispiel deutlich einfach nachverfolgbar ist, auch in Wochen und Monaten oder Jahren, spart es sicherlich 10 Vorgangsfelder in einer klassischen Denkweise ein.