Auch wenn wir die Unterschiede bereits in einigen früheren Artikeln behandelt haben, gibt es ein paar wesentliche Merkmale, die in Odoo tatsächlich neu in der Betrachtung sind. Daher möchten wir diese Features noch einmal besonders hervorheben. Zum einen können diese Elemente teilweise sogar klassische Funktionen ersetzen. Soll heißen, in einem Feature-Vergleich findet man eine bestimmte Funktion in Odoo nicht sofort, denn hier würde sie einfach komplett anders ausfallen. Zum anderen ergeben sich in Odoo einfach komplett andere Ansätze. In diesem Blog möchte ich mich auf die integrierte Kommunikation und den Ansatz unterschiedlicher Ansichtstypen zu einem Vorgang beziehen, aber auch auf die Option, flexibel Gruppierungen und Filter zu kombinieren.

Auf den ersten Blick wirken die Masken und der Prozess-Flow in Odoo hauptsächlich cool und intuitiv. Tatsächlich bedeuten sie teilweise eine merkliche Umorganisation der täglichen Arbeitsprozesse der Benutzer. Einfach schon deshalb, weil eine integrierte Kommunikation anders ist und bei vielen Benutzern ein Umdenken erfordert. Dabei ist es im Grunde auch nicht anders als in Outlook zu arbeiten.

Der erste Schritt hier ist natürlich, Vertrauen zu schaffen, dass das System tatsächlich funktioniert. Danach kann man mit der Gewöhnung beginnen.

Doch kommen wir erst einmal zu den einzelnen Punkten, die Odoo so anders machen. Wohlgemerkt, Odoo hat keinen davon erfunden, sondern vielmehr neu für sich entdeckt und auf seine Art in das Thema „ERP“ neu eingebracht.

Integrierte Kommunikation bzw. Versionierung

Der erste Leitsatz ist der, dass die Kommunikation und die Versionierung einer Transaktion gleichwertig behandelt werden. Was auch Sinn macht aus der Betrachtung heraus, dass eine Versionierung bzw. eine Änderung innerhalb eines Vorgangs entweder durch einen Schriftwechsel ausgelöst wurde oder ihn auslöst. Dies wird gemeinsam in der sogenannten „Chatterbox“ unterhalb jedes Vorgangs oder daneben abgebildet (abhängig von der Bildschirmgröße bzw. Auflösung).

Die Möglichkeit, egal zu welchem Vorgang, zu welcher Vorgangsart, einfach zu jeder Transaktion oder zu jedem Stammdatensatz intern oder extern integriert zu kommunizieren bzw. ein Wiedervorlagesystem überall verfügbar zu haben, ist so konsequent durchgezogen wie in keinem anderen mir bekannten System.

D.h. zu den ERP-üblichen Übergabepunkten (Auftrag generiert Reservierung, Reservierung generiert Lieferung, geloggte Zeiten werden zur Abrechnung gegeben, abgerechnete Zeiten generieren Buchungen, etc.) kommt ein Kommunikationssystem, das nahezu alles wie eine Art Ticket behandelt und dabei Kommunikation und Versionierung chronologisch transparent pflegt.

Dies kennt man bislang nur aus CRM oder Ticketsystemen, und diese sind auf genau die besagten Anwendungsbereiche beschränkt. Danach geht es klassisch weiter, also mit Outlook und einem Konnektor oder einer anderen Art von Integration. Dies hat jedoch zur Folge, dass der Benutzer entscheidet, welche der geführten Kommunikationen relevant und somit angehängt werden sollte, oder ob es nicht chronologisch zur Versionierung dargestellt werden kann, da der Zeitpunkt des Hochladens nicht synchron zur Veränderung der Transaktion ist oder sein muss.

Besonders, dass zwischen einem externen und einem internen Informationsaustausch unterschieden werden kann, ermöglicht auch, interne Rückfragen, Freigaben und Prüfungen in die Chronologie aufzunehmen. D.h. der Hergang ist in der Theorie lückenlos, wenn er denn so gelebt wird.

Dies ist eine Riesenchance, aber eben oft auch ein Riesenschritt.

Ansichtstypen

Das klassische Konzept ist, dass der Benutzer grundsätzlich in eine Liste einsteigt, ganz gleich, was er gerade aufruft. Wenn er dann einen Datensatz anklickt, bekommt er die Details dazu in einer Einzelansicht präsentiert. Odoo geht hier weiter und bietet unterschiedliche Ansichtstypen an, die da wären: Liste, Einzelansicht, Diagramm, Gantt, Kalender, Kanban, Pivot.

D.h. für jede Entität (Entitäten können Kunden, Angebote, Aufträge, Lieferungen, Meldebestände, Aufgaben, Rechnungen, etc. sein) sind mindestens eine Listen- und eine Einzelansicht definiert, ggfls mehr. Der Benutzer kann zwischen den verfügbaren Ansichtstypen umschalten. Da hierbei auch Gruppierungsoptionen berücksichtigt werden (darauf gehen wir im folgenden Abschnitt ein), kann dies zur Orientierung, Massenbearbeitung, aber auch zur Analyse verwendet werden.

Orientierung

Produkte werden z.B. im Standard nicht als Liste, sondern in einer Kanban-Ansicht geöffnet. Kanban erscheint intuitiv, da der Mensch Bilder schneller verarbeiten kann als Listen. Dies liegt schon im Kern der Sache, denn jede Liste liefert eine Flut an Informationen, die erst erkannt und dann verarbeitet werden muss.

Sehen wir uns ein Beispiel an:

Das gleiche Beispiel sieht als Liste so aus:

Und wir alle wissen, in anderen Systemen sind es manchmal nicht nur 7 Spalten wie hier, sondern gerne mal 15 bis 20 oder sogar mehr.

Doch allein in diesem Fall ist die Orientierung in einer Kanban-Liste deutlich einfacher. Abgesehen davon sieht sie auch wesentlich ansprechender aus.