In Odoo 13 hat sich in den Modulen „Invoicing“ und „Finance“ viel getan. Die wohl größte Änderung ist, dass es „die Rechnung“ als einzelnes Objekt nicht mehr gibt. Bis letztes Jahr im Oktober, also bis zum Erscheinungsdatum von Version 13, stand die analoge Welt dem technischen Vorgang der Rechnungserstellung Pate. Eine Rechnung wurde geschrieben, es gab eine Liste, aus der „die nächste Nummer“ gezogen wurde, die dann auf das Dokument kam, danach wurde die Rechnung verschickt und in die Buchhaltung gegeben. Diese hat den Eingangsstempel drauf gehauen und die Kontierung darauf vermerkt, danach kam sie in einen Stapel und wurde verbucht.

Fast so ähnlich lief es in Odoo. Es gab eine Tabelle bzw. ein Objekt, das sich account.invoice nannte. Darin wurde ein Datensatz ohne Rechnungsnummer und Datum erzeugt, in dem alle relevanten Rechnungsinformationen aufgelistet waren: Empfänger, Zahlungsbedingungen, Positionstexte, Beträge, Steuern, Zwischensummen, Gesamtsummen etc.

Das wichtigste dabei: es waren Erlös- bzw. Aufwandskonten sowie Debitoren- und ggf. Steuerkonten vorab zugewiesen. Dies symbolisierte sozusagen die Vorkontierung aus der Vergangenheit. Durch die Validierung wurde dann der Buchungssatz erzeugt, der aus einer Sequenz eine fortlaufende Nummer erhielt, die dann wiederum an die Rechnung zurückgegeben wurde.

Damit waren digitaler und analoger Prozess nahezu identisch.

Das hat sich nun geändert. Die Rechnung an sich existiert nicht mehr, es gibt nur noch Buchungssätze. Worum es sich jeweils handelt, erkennt man anhand des Journals bzw. Buchs, dem sie zugewiesen wurden bzw. daran, ob dieser Buchungssatz einen Beleg hat oder nicht. Odoo begründet diese Veränderung damit, dass die Daten auf der Rechnung und auf dem Buchungssatz redundant seien.

Dem stimme ich zu, und ich finde diese Veränderung sogar gut. (Besonders die Immobilienbranche sollte diese neue Vorgehensweise lieben, denn damit lösen Verträge nicht länger Rechnungen aus, sondern gleich Buchungssätze.)

Doch leider ist auch ein Haken in die ganze Sache eingebaut worden. Warum Odoo dies so gemacht hat oder welchen Hintergrund das Ganze hat, können wir nicht einmal vermuten. Vorab muss man jedoch sagen, auf dem ersten Blick erscheint es schlimmer als es ist. Doch dass man den Schaden eingrenzen kann, muss einem ja auch gesagt werden.

Wie wir schon des Öfteren berichtet haben, gab es in Odoo 13 das Modul „invoice_cancel“, das – nach Überwindung einer zweiten kleinen Hürde – jedem Benutzer erlaubte, gebuchte Rechnungen – ohne die Erstellung einer Gegenbuchung oder eines ausgleichenden Gegenbelegs – abzubrechen, danach zu verändern und unter der gleichen Nummer wieder zu bestätigen. Dieser Vorgang wird zwar festgehalten und die Änderungen versioniert, doch widerspricht eine solche Aktion dem Grundsatz, dass einmal gebuchte Rechnungen nicht verändert werden dürfen.

Die gute Nachricht: Dieses Modul gibt es nicht mehr.
Die schlechte: Dieses Modul ist nun in den Kern von Odoo eingeflossen!

Im Klartext heißt dies, dass nun alle gebuchten Rechnungen abgebrochen, editiert und neu gebucht werden können, und das unter der gleichen Vorgangsnummer.

Hier der Beweis:

Eine Rechnung ist im Entwurf erstellt:

Nun verbuchen wir sie:

Danach lässt sich nur noch die Referenz editieren, alles andere ist – wie gewohnt – gesperrt.

Doch man sieht es schon, es gibt einen verdächtigen Knopf mehr, im Englischen „Reset to Draft“, im Deutschen „Abbrechen Rechnung“. Drückt man diesen Button, behält der Vorgang seine Nummer, der Status springt sofort zurück in „Draft“ bzw. „Entwurf“, und wir sind sogar im Editiermodus:

und können aus einem „DESK0004“ zwei machen

und direkt wieder verbuchen. Odoo hält die einzelnen Schritte auch fest:

Doch was hilft es, das Thema Editierbarkeit von Rechnungen ist nun einmal sensibel und die Deutungstoleranz gering.