Die Änderung der Mehrwertsteuer ist angekündigt. Aktuell gibt es sicher eine Menge Newsletter und Infos, wie sich die Anpassung in Odoo umsetzen lässt. Dazu muss man allerdings erst einmal sagen, dass es sehr schwierig ist, eine Pauschallösung zu finden. Immerhin hängt die Art der Anpassung sehr stark vom individuellen Aufsatz ab. Es müssen Anbindungen bedacht werden, teilweise vielleicht sogar Preiskalkulationen und natürlich auch die Auswirkungen auf Webshops oder Kassensysteme.

Wir gehen aktuell jeden unserer Aufsätze durch und diskutieren innerhalb der Rahmenbedingungen die ideale Umsetzung und die dafür notwendigen Schritte. Das zeigt deutlich, dass es DIE Anleitung oder DEN Königsweg nicht wirklich gibt. Trotzdem lässt sich die Anforderung grundsätzlich in 2 Ansätze unterteilen, die nahezu unabhängig von der Odoo Version durchführbar sind.

Schritt 1, Vorbereitung:

Als erstes sollte der Kontenplan erweitert werden. Bei einem Datev Export ist es hier natürlich wichtig, die gleichen Konten wie in den Datev Kontenrahmen SKR03 oder SKR04 anzulegen. Eine erste Google-Suche hat hier leider noch nichts Konkretes zu Kontonummern ergeben, sondern nur einen Maßnahmenkatalog für die einzelnen Finanzbereiche: https://www.datev.de/web/de/aktuelles/informationsseite-zur-corona-krise/konjunkturpaket-unterstuetzung-durch-datev/massnahmen-in-den-datev-loesungen/

D.h., für den ersten Schritt bedarf es einer Abstimmung mit der Steuerkanzlei.

Dabei sollte es mindestens um die Anlage der Steuerkonten und jeweils ein dazugehöriges Erlöskonto gehen. Sobald Kontonummer und Benennung bekannt sind, würde ich empfehlen ein bestehendes Erlös- und Steuerkonto zu duplizieren.

Schritt 2, Anlage der Steuersätze:

Nun dupliziere ich meine 19% Steuersätze für Verkauf und Einkauf und natürlich ebenso die beiden 7% Sätze. Dabei sollte man natürlich nicht nur die Beschriftung und den Prozentsatz anpassen, sondern auch die im ersten Schritt angelegte Kontierung konfigurieren.

Zur Sicherheit kann man nun noch einmal die Steuerkonten öffnen und dort den jeweils neu angelegten Steuersatz als „Default Taxes“ hinterlegen. Doch das sehe ich nicht als Pflichtübung an.

Im Gegenzug kann die „Tax Grid“ bestehen bleiben, egal wie sie benannt ist, da der neue Steuersatz im Tax Report im gleichen Absatz gelistet werden sollte.

Schritt 3, Variante 1 und Variante 2:

Wie bereits angedeutet, kann man sagen, dass es aus technischer Sicht grob 2 Lösungswege gibt. Variante 1 ist in jeder Odoo Version gleich durchzuführen. Variante 2 unterscheidet sich, wobei Benutzer neuerer Odoo Versionen hier die Gewinner sind. Allerdings gibt es bei diesem Weg auch einen gravierenden Nachteil.

Variante 1 – Massenupdate Produkte

Die erste Variante ist natürlich ein Update aller Produkte. Dafür exportiere ich alle Produkte als „Import kompatiblen Export“ (English: „import-compatible export“). Dabei benötige ich im Grunde nur „Customer Taxes“ und „Vendor Taxes“, plus alle weiteren Felder, die mir zur Orientierung helfen könnten. In meinem sehr simplifizierten Fall könnte das ungefähr so aussehen:

Danach aktualisiere ich meine Werte in Excel (siehe violette Markierung):

Anmerkung:

In meinem Fall ist der Verkaufspreis ein Nettopreis, d.h. meine Zwischensummen in den Angebots-/Auftrags-/Rechnungspositionen ändern sich nicht, nur die Gesamtsumme verringert sich. Wenn dies so gewünscht ist, dann muss kein Verkaufspreis angepasst werden.

Falls im Steuersatz angegeben ist, dass der Preis die Steuer bereits beinhaltet, sollte man natürlich aufpassen. Wer hier die Senkung mitgeben möchte, muss die Verkaufspreise mit anpassen, natürlich mit dem Wissen, dass auch eine Neu-Etikettierung ansteht.

Dieser Blog befasst sich allerdings nur mit der technischen Lösung, alles andere muss individuell entschieden oder diskutiert werden.

Danach kommen wir zum letzten Schritt, dem Reimport. Dazu laden wir die Excel-Liste, wobei alle Felder, die keine aktualisierten Daten im Vergleich zu Odoo haben, aus dem Import entfernt werden sollten (siehe mein „Don‘t import“). Das könnte dann so aussehen:

Eine Rückänderung zu den gleichen (oder höheren) Prozentsätzen sollte ebenso durchgeführt werden.