A red domino stands out

Das muss doch Standard sein!

Hätte ich jedes Mal einen Euro bekommen, wenn ich den Satz „das muss doch Standard sein“ gehört habe, dann müsste ich wohl diesen Artikel nicht schreiben. Früher habe ich auch oft gedacht, „verdammt noch mal, das ist doch wirklich naheliegend! Warum macht Odoo das denn nicht?!?“

Dabei stecken in diesem Wort „Standard“ eigentlich recht viele unterschiedliche Aspekte:

1) Vorab muss man vielleicht sagen, dass ich mir oft die Frage gestellt habe, wie es zu der Bewertung, was ist Standard und was nicht, kommen kann. Dabei ist mir zuerst aufgefallen, dass sich ein Großteil der Personen, die das sagen, schon immer in einer bestimmten Branche oder vielleicht sogar in genau dem bestimmten Unternehmen befunden haben. Natürlich kann man nun argumentieren, dass es eine Branche ist, und in der Branche eine typische Funktion notwendig ist, die somit als Standard empfunden wird. Dem widerspricht jedoch, dass es besondere Berechnungen innerhalb der Branche gibt, und besondere gesetzliche Bestimmungen wiederum als Ausprägungen genannt und akzeptiert werden.

Als Erklärung bleibt wohl nicht viel übrig. Ausprägungen sind sicherlich immer am Einfachsten auszumachen, weil man die ganze Zeit damit konfrontiert ist. Alles um den Mittelwert ist sicherlich nicht so einfach zu erkennen, denn es erscheint so normal, dass untereinander selten Details darüber austauscht werden. Damit fehlt schlichtweg eine Vergleichsposition, und die eigene Welt bleibt der alleinige Maßstab.

2) Oft ist die Betrachtung der eigenen Prozesse auch zu grob oder es fehlt dieobjektive Betrachtung von außen. Wie sagte mal ein Geschäftsführer eines Unternehmens zu mir: „ich verstehe nicht, was bei uns so kompliziert ist, wir verkaufen doch nur, was wir einkaufen.“

Nun ja, im Grunde ist das richtig, aber gilt das nicht für jedes Unternehmen? Eine so grobe Betrachtung passt letztendlich auf alles. Der beste Vertreter für diese Art von Zusammenfassung ist sicherlich Amazon. Folgt man also der Argumentation dieses Geschäftsführers, dürfte es dort auch nicht kompliziert sein.

Eine solche Position macht es natürlich grundsätzlich einfach, Vergleiche anzustellen und herauszufinden, ob es überhaupt Unterschiede zu anderen Unternehmen gibt und demnach alles in der eigenen Welt Standard sein muss.

3) Der letzte Aspekt ist sicherlich, dass viele Prozesse nicht IT-unterstützt laufen. Hier ist jede Reihenfolge, jeder Wert und jeder Status möglich. Der Anlass zur Bewertung, ob etwas in ein Standardschema passt, kann sowieso nie nachvollzogen werden.

Nach all den Jahren Implementierungserfahrung und dem konkreten Verständnis dafür, was kaufmännisch erfüllt sein muss, können wir mit Gewissheit sagen, dass der Ansatz von Odoo, eine Basisplattform für die grundlegenden kaufmännischen und planerischen Geschäftsvorfälle zu bieten, auf der alle Ausprägungen nicht konfiguriert, sondern angepasst werden sollen, nicht nur der richtige ist, sondern auch zu 100% erfüllt wird.

Und die Frage, warum in diesem Fall weniger tatsächlich mehr ist, werde ich im 2. Teil dieser Blogserie erklären.